Wir für den Menschen

Ausbildung zwischen E-Learning und Pflegepraxis

Würzburg I 14.05.2020

Der Unterricht an der Berufsfachschule für Pflege findet, wie an anderen Schulen auch, corona-bedingt in einem Mix aus Digital und Präsenz statt. Lernplattformen wie Moodle kommen neben Videokonferenzen dabei verstärkt zum Einsatz. Zur praktischen Ausbildung sind die angehenden Pflegefachkräfte nach wie vor in Kliniken eingesetzt. Strenge Einhaltung der Hygienerichtlinien und Schutzkleidung sind dabei selbstverständlich.

Marieke Böhme ist im ersten Ausbildungsjahr. Die angehende Gesundheits- und Krankenpflegerin ist gerade im praktischen Einsatz auf einer neurologischen Station der Uniklinik Würzburg.Die Patienten dort hatten einen Schlaganfall, leiden unter Parkinson, Demenz oder einer gerontopsychiatrischen Erkrankung, sind also häufig in ihrer Kommunikationsfähigkeit eingeschränkt. Die Pflegekräfte tragen den ganzen Dienst einen Mund-Nasen-Schutz. Die Maske verbirgt einen Großteil des Gesichts. Bei Patienten mit Sprachstörung ist die Mimik jedoch ein wichtiger Bestandteil der Kommunikation. „Durch die Maske fällt hier vieles weg. Mir tun die neurologischen Patienten oft leid, denn gerade für sie ist der menschliche, nonverbale Austausch so wichtig", sagt die 18-jährige Schülerin. „Wir achten deshalb nicht nur auf die strenge Einhaltung aller Hygienerichtlinien, sondern versuchen besonders auf die Patienten einzugehen und ihnen, wenn möglich, mehr Zeit zu widmen", so Böhme.

In wenigen Wochen sitzen die Würzburger Pflegeschüler wieder im theoretischen Unterricht. Schon beim Blockunterricht im April gab es ab der Monatsmitte E-Learning, Videokonferenzen und Lernbriefe. „Auch wenn wir alle Lerninhalte digital vermittelt bekommen haben, hat mir die persönliche Begegnung und Papier gefehlt", erklärt Böhme. Die Schülerin bevorzugt trotz ihrer Jugend die altmodische Variante. Sie freut sich auf den bevorstehenden Unterrichtsblock mit persönlichem Kontakt zu Mitschülern und Lehrern. Voraussichtlich wird es dieses Mal ein Mix aus Online- und Präsenzunterricht werden. Für ihre Ausbildung würde sie sich trotz Corona immer wieder entscheiden. „Pflege ist ein schöner Beruf, man hat mit Menschen zu tun und findet immer einen sicheren Arbeitsplatz", versichert die Schülerin.

„Für die Pflegeausbildung arbeiten wir bereits seit Jahren mit der digitalen Lernplattform Moodle", erzählt Stefan Kolbert. Die Umstellung aufgrund der Schulschließung hat den Leiter der Würzburger Pflegeschulen deshalb nicht unvorbereitet getroffen. „Unsere Schüler nutzten schon vor der Pandemie die bereit gestellten Lernmaterialien sowie die Möglichkeit zur Kommunikation, Zusammenarbeit und zum eigenständigen Lernen mithilfe von Moodle. Jetzt kommen noch gezielte Arbeitsaufträge und Videokonferenzen dazu. Dank der Unterstützung durch unseren Träger, die Schwesternschaft München vom BRK e.V., die uns sofort eine entsprechende Video-Software installiert hat, können wir die Lerninhalte zusätzlich digital vermitteln und die theoretische Ausbildung sicherstellen", betont Kolbert.

Das Lehrerteam der Pflegeschule bekam in den ersten Tagen und Wochen nach Bekanntwerden des Corona-Virus vermehrt Anfragen von ihren Auszubildenden im Praxiseinsatz. Von der Frage, wie der Arbeitsweg trotz eingeschränktem öffentlichen Nahverkehr zu bewältigen sei, bis zur Sorge, sich in der Klinik anzustecken, reichte das Spektrum. „Die Schüler werden vor den Einsätzen entsprechend hygienisch geschult und in kritischen Bereichen, also auf Isolierstationen oder bei beatmeten Covid-19-Patienten, nur bei fortgeschrittenem Ausbildungsstand eingesetzt", versichert Kolbert. Der Kontakt mit Krankheitserregern gehört jedoch zum Alltag im Gesundheitswesen. Hygienemaßnahmen und Schutzkleidung zählen bei jedem Patienten zum professionellen Hygienemanagement. „Bisher konnte das deutsche Gesundheitssystem die Corona-Krise gut meistern. Das ist nicht nur dem medizinisch-technischen Standard und dem ärztlichen Know-how geschuldet, sondern auch der hervorragenden Qualifikation unserer Pflegefachkräfte", so Schulleiter Kolbert.

Eine erfolgreiche Pflegeausbildung ist der Startschuss in einen abwechslungsreichen, anspruchsvollen Beruf, der zudem vielseitige Entwicklungs- und Karrieremöglichkeiten bietet. In der Würzburger Kapuzinerstraße beginnt am 8. September die einjährige Pflegefachhilfe-Ausbildung und im Jahr darauf am 1. April die dreijährige generalistische Ausbildung.

Informationen über die Zugangsvoraussetzungen und die Möglichkeit der Online-Bewerbung gibt es direkt hier